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Gebärdensprache-Abstraktionsmalerei-Erklärung: Seit mehreren Jahren versuche ich, durch meine Kunst auf die Situation von uns Hörgeschädigten und Gehörlosen aufmerksam zu machen und kämpfe für die Anerkennung der Gebärdensprache. Ich weiss nicht, inwieweit Hörende darüber informiert sind, in welcher unsichtbaren Isolation wir uns innerhalb der Gesellschaft befinden. Die deutsche Gebärdensprache ist noch immer nicht vollends anerkannt, obwohl festgestellt werden muss, dass nur die wenigsten Hörgeschädigten und Gehörlosen allein über die Lautsprache zufriedenstellend mit Hörenden kommunizieren können. Dies sei aber nur eine kurze Hindergrundinformation zum Verständnis meiner neuesten Werke. Unsere Gebärdensprache war es, die mich zu meinen jüngsten, abstrakten Gemälden inspirierte. Wie andere Künstler z.B. Landschaften auf ihre wesentlichen geometrischen Formen abstrahieren, so abstrahiere ich den Bewegungsfluss der Hände beim Gebärden von Worten und Sätzen. Ich stelle mir vor, wie ich z.B. das Wort „Kunst“ gebärde und setze entsprechend der Bewegung meiner Hand/Hände beim Gebärden dieses Wort, die Linien ins Bild. Welche Farben ich für einzelne Linien und Flächen benutze, hängt ab vom Sinn des Wortes oder eines Satzes. So entstehen die Bilder, in denen eine Fülle von Linien oder auch ganzen Flächen in eine farbliche Harmonie miteinander treten. Wenn man meine Bilder betrachtet, wird man reichhaltige Bewegungsrichtungen in ihnen erkennen. Natürlich muss man mit der Gebärdensprache vertraut sein, will man in den Bildern bestimmte Worte erkennen. Dass dies wirklich möglich ist, wurde mir aber schon von manchem Betrachter bestätigt. Eine bestimmte konzentrierte Art des Anschauens, wie es z.B. für das Erkennen der jetzt so modernen dreidimensionalen Bilder nötig ist, wird nicht genügen. Der Betrachter muss schon sein inneres Auge trainieren um die versteckten Worte oder Sätze in meinen Bildern zu finden. Ich hoffe aber, dass man sich von der Harmonie der Farben, Linien und Flächen in meinen Bildern ansprechen lässt und sie nicht etwa mit der Bemerkung abtut: “Man kann auf diesen Bildern ja nichts erkennen!“ Wer sagt denn, dass in der Malerei nur solche Bilder schön und gut sind, auf denen etwas Gegenständliches zu erkennen ist? Auf meinen Bildern lassen sich Ähnlichkeiten zu japanischen, chinesischen oder hebräischen Schriftzeichen erahnen, auch versteckte Landschaftsformen, Gesichter, Figuren wie z.B. Häuser oder Tierkörper. Wer als Hörender hörgeschädigte oder gehörlose Menschen beim Gebärden zum erstenmal beobachtet, wird von den in meinen Bildern eingefangenen Bewegungs-abläufen auf Anhieb nicht viel erkennen, weil alles viel zu schnell geht. Unsere Worte „verhallen“ in aller Stille genauso schnell wie die mit Stimme gesprochenen Worte. Aber wer meine Bilder studiert, trainiert vielleicht seine Augen für diese Bewegungsabläufe und gewinnt auf diese Weise leichter Zugang zur Gebärdensprache. Meine Bilder sollen aber nicht als bloße Anleitung zum Erlernen der Gebärdensprache verstanden werden, sondern jedes einzelne Bild ist ein Kunstwerk für sich. Es kommt, wie bei jedem Kunstwerk darauf an, dass der Betrachter eines Bildes bei dessen Anblick in seinem tiefsten Inneren angerührt wird und mit seinem inneren Auge das Wesentliche des Bildes, die Botschaft des Bildes, aufnimmt. Dieter Fricke |